Strategie in der Phase Pre-Flop bei Texas Hold’em Poker

Im ersten Teil dieses Guides haben wir Dir gezeigt, wie ein Texas Hold’ em Pokerspiel funktioniert. Nun ist es an der Zeit, Dir nahe zu bringen, welche Karten zu spielen sind und welche man lieber wegwirft. Wir sehen uns die Situation am Tisch anhand einer Aufstellung in einer Tabelle an, sofort nach dem Austeilen der Karten an 9 Spieler in der Pre-Flop Phase des Spiels.

Pre-Flop – Wann empfehlt sich meine Karten zu spielen?

Um beim Poker gewinnen zu können ist es ratsam sich das Grundwissen anzueignen, welche Karten Du spielen und welche Du lieber folden solltest. Im Texas Hold’em Spiel hast Du das Privileg, die Karten wegzuwerfen bevor Du Geld gesetzt hast. Daher haben alle Spieler die Möglichkeit, schwache Karten wegzuwerfen. Beim Poker muss man Geduld haben, weil etwa 80% der Blätter, die ausgetielt  werden „gefoldet“ werden müssten (wenn man von 9 Spielern am Tisch ausgeht). Das Konzept dabei ist unkompliziert – wenn Du ein besseres Blatt hast, als Dein Gegner, wirst Du zum Gewinner.
Wenn Du es schaffst, diese Taktik langfristig umzusetzen, wirst Du Dich immer, wenn Du Dich dazu entscheidest, ein Blatt zu spielen in einer aussichtsreichen Lage befinden. Die Fähigkeit zu erkennen wann man weiterspielt und wann man lieber aufgibt, hat Einfluß auf Sieg oder Misserfolg. Natürlich macht Dich dies noch lange nicht zu einem guten Pokerspieler. Es ist eher eine Grundvoraussetzung, um ein Profi zu werden.

Es ist nicht machbar, eine Tabelle mit allen möglichen Pre-Flop Blättern zusammenzustellen. In der untenstehenden Aufstellung wurden nur die stärksten Blätter aufgeführt. Die Aufstellung bezieht sich auf ein Pokerspiel mit 9 Spielern. Nehmen weniger Leute am Spiel teil, ändert sich der Inhalt der Tabelle, weil bei kleinerer Anzahl an Teilnehmern sonst schlechte Karten besser sind, als bei vielen Teilnehmern. Das bedeutet, je weniger Spieler im Spiel sind, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass jemand anders ein besseres Blatt  auf der Hand hat.

Rank

Hand

1

A+A, K+K, Q+Q, J+J, A+Ks

2

10+10, A+Qs, A+Js, K+Qs, A+K

3

9+9, Q+Js, J+10s, K+Js, A+10s, A+Q, K+Q

4

8+8, K+10s, A+J, Q+10s, A+10, K+J, J+9s, 10+9s, Q+J

5

Q+9s, K+10, Q+10, J+10, 7+7, 6+6, 5+5, J+8s, 9+8s, 10+8s, 8+7s, a9+7s

6

10+9, 7+6s, J+9, 8+6s, 10+7s, 6+5s, 5+4s, A+Xs

7

4+4, 6+4s, 7+5s, 9+8, 7+8, 3+3, 4+3s, 6+5, 5+3s, 2+2, K+Xs, Q+8s

8

A+9, K+9, Q+9, J+7s, J+8, 7+6, 4+2s, 5+4, 3+2s, 9+6s, 8+5s, 7+4s, 10+8

s : gleiche Farbe; X : Karte mit einem Wert unter 10

Obige Tabelle soll eine Richtlinie darstellen. In einer einer bestimmten Spiel- Situation entscheiden auch andere Kriterien darüber, ob eine Pokerhand schlecht oder gut ist. Das elementarste, was man ernst nehmen muss, sind folgende Punkte: die Anzahl der Spieler, Deine Position am Tisch und was die anderen Spieler vor Deinem Zug getan haben. Die Einschätzung der Strategie der anderen Spieler, wird hilfreich sein beim Treffen einer richtigen Entscheidung über Deine eigene Vorgehensweise.

Wie bedeutend ist Position am Tisch?

Man kann den Tisch in mehrere Sektionen einteilen, um Deine Position zu einordnen. An einem Tisch mit 9 Spielenden würde das wie folgt aussehen:
1.    Frühe Position: Spieler an den Tischpositionen 3 bis 5 nach dem Dealerbutton.
2.    Mittlere Position: Spieler an den Tischpositionen6 bis 7 nach dem Dealerbutton.
3.    Späte Position: Spieler an den Tischpositionen8 bis 9 nach dem Dealerbutton.

Poker ist ein Wissensspiel!  Man sollte seine Beobachtungen über die Gegner im Spiel einsetzen. Die Tischposition ist ausschlaggebend, um sich festzulegen, ob man mit konkreten Blättern weiter macht oder aussteigt. Hierfür ein Beispiel. Der Spieler, der als erster nach dem Dealerbutton sitzt, beschließt bloß anhand der eigenen Karten, ob er weiter spielt oder aussteigt. Seine Sitzposition ist nachteilig und es ist höchst gefährlich für ihn mit den Blättern zu spielen, die den Rängen 4-8 zugehören.  Der nächste an der Reihe, hat nun ein wenig mehr Ausgangspunkte. Diese Regel setzt sich um den Tisch herum fort und wenn Du spät am Zug  bist, solltest Du einen besseren Ausgangspunkt für Deine Entscheidung haben.

Dazu ein Beispiel: Du bist in einer frühen Position und hast ein Paar 4-er auf der Hand, Du machst mit und setzt das Geld, um später mitzubekommen, dass einer Deiner Geigner in einer späten Position  erhöht. Dein Blatt ist , wie sich herausstellt, zu schwach, um weiter zu kämpfen. Deine Risikofreude könnte in diesem Fall Dich sehr viel Geld kosten. Derartige Situationen kannst Du geschickt bewältigen, indem Du, während Du Dich an einer frühen Position  befindest, konsequent es bleiben lässt, mit den Blättern der Ränge 4-8 zu spielen. Steig einfach aus, wenn es keine Perspektive auf Erfolg gibt. Solltest Du mit dem gleichen Blatt Dich an einer späten Position befinden, wäre vorstellbar, dass Du weiter machst. Dafür solltest Du penibel die anderen wesentlichen Informationen über die Spieltaktiken Deiner Gegner einsetzen.

Welche Blätter sollte man wegwerfen?

Prinzipiell ist es empfehlenswert, die Kartenkombination der Ränge 6 bis 9 zu „folden“. Das gleiche gilt auch für andere Kombinationen, die in der von uns aufgeführten Aufstellung nicht gezeigt sind. Jeder , der gerade Poker lernt neigt dazu, z.B. ein Blatt mit Ass und 8 als spielwürdig zu beurteilen. Wenn man aber einen Blick auf die Tabelle wirft,  kommt man zu anderen Schlüssen.

Der Kicker – Problem

Schau Dir bitte wieder die Blätter A+X, K+X,  Q+X und J+X an, die weggelegt werden sollten. Wenn Du diese Blätter ausspielst, gerätst Du in Schwierigkeiten, wenn Deine Gegner einen höheren Kicker als Du haben. Kicker ist die Beikarte, die dann das Spiel entscheidet, wenn zwei Spieler das Gleiche haben. Hast Du z.B. A+10 auf der Hand und im Flop liegt ein weiteres As, dann stehen Dir zur Verfügung ein paar Asse mit Kicker 10. Hat ein weiterer Spieler ebenfalls ein Paar Asse, aber als Kicker nur eine 9, so bist Du der Gewinner! Der Kicker  ist ausschlaggebend in diesem Fall, wer als Sieger hervorgeht.

Blätter der Ränge 6 bis 8 können gespielt werden, solange Du die unten aufgeführten Anforderungen erfüllst:
•    Du sitzt an einer späten Tischposition,
•    Fünf oder mehr Gegner haben vor Dir gecallt,
•    Vor Dir hat kein deiner Gegner den Einsatz erhöht.

Sind diese Anforderungen nicht erfüllt, wirst Du vermutlich als Verlierer da stehen, wenn Du Dich entscheidest mitzugehen.
Entscheidest Du Dich jedoch fürs Spielen mit Blättern des Ranges 6 bis 8, musst Du darauf vorbereitet sein, ohne zu trödeln zu passen, wenn der Flop nicht die von Dir erwünschten Blätter liefert.

Hast Du A+Xs und der Flop liefert ein weiteres Ass, allerdings keine Blätter der von Dir gewünschten Farbe, kannst Du es in Kauf nehmen, dass Deine Hand geschlagen wird. Du musst bereit sein zu passen, wenn ein Deiner Gegner setzt und Du sein Vorgehen nicht beurteilen kannst. Einer der am weitesten verbreiteten Fehlzüge ist es, solche Karten nicht zu folden. So ein Blatt sollte gefoldet werden, weil es mit großen Wahrscheinlichkeit geschlagen wird. Wenn Du es schaffst, dich von diesen trügerisch guten Blättern loszureißen, wirst Du unnötige Rückschläge meiden.

Jedes Blatt hat eine gewisse Wahrscheinlichkeit zu gewinnen. Wenn es genügend Calls gibt, vor Deinem Zug, erhältst Du die  “correct pot-odds“. Es sollte ein sinnvolles Verhältnis zwischen der Gewinnchance eines Blattes und der Größe des Pots vorhanden sein. Andernfalls solltest Du die Karten weglegen.
Anders ausgedruckt: Das Risiko mit Blättern mit einer geringen Chance auf Sieg  zu spielen, soll wirklich lohnenswert sein. Mathematisch gesehen ist es nicht sinvoll, mit solchen Karten zu spielen, wenn man an einer frühen oder mittleren Position am Tisch sitzt.

Aber meine Karten haben doch die gleiche Farbe!

Besitzt Du Blatt A+5s, ist es entscheidend, dies nicht  zu überbewerten. Die Wahrscheinlichkeit einen Flush beim Flop zu bekommen, beträgt nur 7%. Es macht in aller Regel keinen Sinn ein Blatt nur deshalb zu spielen, weil es aus gleichfarbigen Karten besteht. Eine Erläuterung: Du hast eine Pik 8 und eine Kreuz 10 auf der Hand. Diese Hand würdest Du in aller Regel nicht spielen (siehe oben in der Tabelle Rang 8). Die Aussichten für Deine Hand steigen nicht bzw. nicht beachtenswert, nur weil die 8 möglich auch die Farbe Kreuz hat. Die Lage ist anders, wenn Du einen der Blinds hast und an einer späten Position sitzt. Deine Gegner haben nicht die leiseste Ahnung darüber, was Du für Blätter hast. Du muss jedoch darauf vorbereitet sein, Dein Blatt nach dem Flop wegzulegen, wenn Du keine der benötigten Karten beziehst.

Der Grund, weshalb man mit den Blättern, die gleiche Farbe haben, bedächtig sein muss ist, dass man, um starke Karten zu haben, alle 3 Karten von den Community Cards in der gleichen Farbe benötigt. Man ist darauf angewiesen die letzte Karte zu „fangen“, was wirklich sehr  viel kosten kann. Mathematisch gesehen glückt dieser Fang in einem von 3 Fällen.